„Wenn Sie einen Dollar in Ihr Unternehmen stecken wollen, so müssen Sie einen weiteren bereithalten, um das bekannt zu machen (Henry Ford)“ .
Tue Gutes und rede drüber – dies könnte auch das Motto des Unternehmerinnen- und Gründerinnentages (UGT) sein. Ganz besonders, weil es heute um Ihr berufliches und privates Engagement geht, liebe Unternehmerinnen und Gründerinnen.
Der 9. Unternehmerinnen- und Gründerinnentag des Landes Brandenburg und der inzwischen zum sechsten Mal durchgeführte Wettbewerb zur „Unternehmerin des Landes Brandenburg“ stehen unter dem Motto „Unternehmen für die Zukunft – Gründerinnen gestalten Brandenburg“. Ich freue mich ganz besonders, dass in diesem Jahr 129 Bewerberinnen und damit so viele wie nie zuvor an diesem Wettbewerb teilgenommen haben. Allein dies zeigt, dass Brandenburger Unternehmerinnen kreativ und auch innovativ sind. Viele der Bewerberinnen sind heute aus dem ganzen Land angereist. Mein herzlicher Dank gilt zu allererst Ihnen, denn ohne Sie würde es diese Veranstaltung nicht geben.
„Unternehmen für die Zukunft“ – angesichts des Mottos denke ich an Zukunftsfragen, die mich als Politiker aber auch viele von uns als Privatmenschen regelmäßig bewegen. Wie gehen wir mit neuen Herausforderungen um, beispielsweise einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung? Wie schaffen wir eine leistungsfähige Infrastruktur in zunehmend dünner besiedelten ländlichen Räumen? Wie können wir neue Risiken wie den Klimawandel in Chancen verwandeln, beispielsweise indem wir neue Arbeitsplätze schaffen? Wie gewinnen und halten wir angesichts des Bevölkerungsrückgangs und demografischen Wandels Fachkräfte, dort wo sie benötigt werden? Wie bleibt unser Land auch für unsere Kinder und die nachfolgende Generationen attraktiv und lebenswert?
Brandenburg verfügt über ein positives Gründungsklima und wurde im Bundesländerranking von WirtschaftsWoche und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft 2012 zum dritten Mal in Folge als dynamischste Wirtschaftsregion Deutschlands ausgezeichnet. Dass die Brandenburgerinnen besonderen Wert auf wirtschaftliche Eigenständigkeit legen, belegt eine Frauenerwerbsquote von 71,6 Prozent, ein Spitzenplatz im Europäischen Vergleich. Und auch Brandenburgs Unternehmerinnen leisten einen erheblichen Beitrag zum wirtschaftlichen Gedeihen und zum Fortschritt unseres Landes. Dieser (Ihr) Beitrag, liebe Unternehmerinnen und Gründerinnen, steht im Mittelpunkt des heutigen Tages.
Im Jahr 2012 gab es in Brandenburg insgesamt 44.000 selbstständige Frauen, 17.000 von Ihnen (oder rund 39 Prozent) waren selbst Arbeitgeberinnen und haben andere Menschen in Lohn und Brot gebracht. Auch bei der Selbständigen-Quote von Frauen (7,6 Prozent, dies entspricht dem Bundesdurchschnitt) und dem Frauenanteil bei den Neugründungen von Einzelunternehmen (BB 29,2 Prozent, Deutschland: 29,5 Prozent) kann Brandenburg im Bundesvergleich mithalten . Bei den Selbständigen im Land liegt der Frauenanteil mit 31,9 Prozent sogar über dem Bundesschnitt (31,6 Prozent). Angesichts des hohen Bildungsniveaus der Brandenburgerinnen sind wir aber der Meinung, dass hier noch viel Luft nach oben ist. Wir möchten noch mehr Frauen ermutigen, ihre kreativen Potentiale im Rahmen einer Existenzgründung zu verwirklichen. Die heute im Rahmen des UGT vorgestellten Unternehmerinnen können ein Beispiel geben, wie das gelingen kann.
Um ein Unternehmen zu gründen, werden nicht nur kluge Ideen, Mut und Unternehmergeist benötigt, sondern auch eine gute Infrastruktur.
Mit einem umfangreichen Maßnahmebündel und Mitteln der Europäischen Strukturfonds EFRE und ESF sowie des Landes Brandenburg fördern wir Unternehmergeist und begleiten gründungswillige Brandenburgerinnen und Brandenburger seit vielen Jahren erfolgreich in die Selbständigkeit. Dazu gehören u.a. das Gründungsnetz Brandenburg, der Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg, die Degut (Deutsche Gründer und Unternehmertage) und das Netzwerk Schule-Wirtschaft aber auch umfangreiche Beratungs- und Coachingangebote, wie beispielsweise die regionalen Lotsendienste in den Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs, der Lotsendienst für Migrantinnen und Migranten, die Gründungswerkstätten für junge Leute bis 27 Jahre oder die Gründungsservices und das Standortmanagement an den Hochschulen.
Allein die regionalen Lotsendienste haben zwischen 2001 und 2012 18.500 Gründerinnen und Gründer beraten, 12.500 Gründungen wurden mit Hilfe der Lotsendienste realisiert. 45 Prozent der Gründungen nach Qualifizierung durch die Lotsendienste entfallen auf Frauen. Auch bei anderen Beratungs- und Coachingangeboten, etwa den Gründungsservices an den Hochschulen, ist das Interesse der Frauen besonders groß. Weiterhin bietet das Land Gründerinnen und Gründern auch individuell zugeschnittene, finanzielle Unterstützung, sei es mit Mikrokrediten, dem Frühphasen – und dem Wachstumsfonds, Gründung innovativ oder mit der aktuellen Aufbau-förderung aus Mittel des ESF.
Trotz des Rückgangs der Fördermittel in den EU Strukturfonds um nahezu die Hälfte möchte die Landesregierung auch in der neuen EU-Förderperiode 2014-2020 Existenzgründerinnen und Existenzgründer und innovative Unternehmen in der Vorgründungs- und Startphase weiter unterstützen, das Gründungsklima und die Gründungsmotivation weiter fördern und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Brandenburg noch steigern. Aber: hinsichtlich des Zugangs zu Risikokapital ist nicht nur das Land, sondern es sind auch die privaten Kreditinstitute gefragt!
Weiterhin haben wir für den Erhalt und Ausbau der (traditionell guten) Kinderbetreuung in den vergangen Jahren viel getan. Brandenburg belegt sowohl bei den unter Dreijährigen mit einer Betreuungsquote von 53 Prozent (Bundesdurchschnitt 27,6 Prozent) als auch bei den über Dreijährigen Kindern mit einer Betreuungsquote von 96 Prozent einen Spitzenplatz im Bundesvergleich. Zur Infrastruktur gehört aber auch eine gute Finanzausstattung im gesamten Bildungsbereich, also auch den Schulen und Hochschulen einschließlich der Forschung und Lehre.
Im Gründungsradar des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft 2013 erreichen die Brandenburger Hochschulen hinsichtlich ihrer Aktivitäten im Rahmen der Gründungsförderung hervorragende Platzierungen im Bundesvergleich. Unter den großen deutschen Universitäten belegt die Uni Potsdam den zweiten Platz knapp hinter der Uni München. Bei den mittelgroßen Hochschulen belegen die BTU Cottbus-Senftenberg und die Europa-Universität Viadriana den zweiten und dritten Platz und auch bei den kleinen Hochschulen erreicht die Fachhochschule Brandenburg einen beachtlichen vierten Platz. Um diese Spitzenplatzierungen zu erhalten, müssen wir uns aber auch in Zukunft sehr anstrengen und dürfen weder Investitionen und Mittel noch Aufwand im Wettbewerb um die besten Köpfe scheuen!
Eine zentrale Rolle für den Erfolg von Unternehmerinnen spielt auch die Frage der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben. Noch immer sind Familien- und Erwerbsarbeit in Deutschland ungleich verteilt, tragen Frauen die Hauptlast der Familiensorgearbeit. Gerade den vielen kleinen und Kleinstunternehmen in Brandenburg fällt es mitunter schwer, kurzfristige Personalausfälle zu kompensieren und umzuorganisieren. Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie - und das schließt die Pflege von Angehörigen mit ein - ist in aller Munde. Hier sind (soweit das möglich ist) Flexibilität und kreative Lösungen gefragt. Insbesondere für Solo-Unternehmerinnen stellt die Vereinbarkeit eine besondere Herausforderung aber auch eine Chance dar! Denn nicht zuletzt aufgrund der Vereinbarkeitsproblematik kann eine Existenzgründung eine gute Alternative zu abhängiger Erwerbsarbeit darstellen. Gerade Frauen gründen häufiger im Nebenerwerb, auch um Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Andererseits können Unternehmerinnen in dieser Frage mit gutem Vorbild vorangehen.
Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg hat 2008 aus ESF- und Landesmitteln die Servicestelle Arbeitswelt und Elternzeit eingerichtet. Unter einer Hotline erhalten Beschäftigte, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (einschl. Solo-Selbständigen) kostenfrei Beratung zu Fragen rund um Mutterschutz, die Planung und Gestaltung der Elternzeit und die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Hier erhalten Sie auch Unterstützung bei der Vermittlung von Ersatzkräften oder Informationen zur Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsort oder zu Fördermöglichkeiten der betrieblichen Kinderbetreuung. Die Servicestelle hat bereits über 5.000 Beratungen durchgeführt, nutzen auch Sie dieses bundesweit einmalige Angebot!
Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Lasten und Risiken des Lebens gleich ver-teilt sind, haben Frauen und Männer auch gleiche Chancen am Arbeitsmarkt oder auf dem Weg in die Selbständigkeit. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Ich denke etwa an den immer noch vorhandenen Lohnabstand zwischen Frauen und Männern, der in Brandenburg zwar deutlich geringer ist, als in den alten Bundesländern, aber immerhin 7 Prozent beträgt. Der Schritt in die Selbständigkeit kann auch ein Schritt zur Verringerung der Einkommensunterschiede sein. Zumindest können Unternehmerinnen mit Beschäftigten in der Frage der Lohngerechtigkeit das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen!
Denn Gute Arbeit bedeutet für uns nicht zuletzt auch eine gute und faire Entlohnung, die eine eigenständige Existenzsicherung ermöglicht. Deshalb war uns die bundesweite Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohnes besonders wichtig. Und: gute Arbeit hat ihren Preis, insbesondere wenn wir als Wirtschaftsstandort und im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiv bleiben wollen!
Es ist weiterhin eine Frage der Chancengerechtigkeit, dass gut qualifizierte Frauen dieselben Möglichkeiten haben, in Führungspositionen aufzusteigen, wie ihre männlichen Kollegen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Rollenklischees und Mentalitäten hier besonders schwer aufzubrechen sind. Deshalb macht die Geschlechterquote in Vorständen und Aufsichtsräten voll mitbestimmungspflichtiger und börsennotierter Unternehmen von 30 Prozent ab dem Jahr 2016, welche wir auf Bundesebene im Koalitionsvertrag vereinbart haben, Sinn. Mit dem neuen Landesgleichstellungsgesetz werden erstmals privatrechtliche Unternehmen, an denen das Land Brandenburg mehrheitlich beteiligt ist, in den Geltungsbereich des Gesetzes einbezogen. Bei der Besetzung von Stellen mit Leitungsfunktionen muss dort eine Frauenquote von mindestens 50 Prozent berücksichtigt werden.
Liebe Unternehmerinnen- und Gründerinnen! Ihre vielen hochinteressanten Beiträge im Wettbewerb zur „Unternehmerin des Landes Brandenburg 2014“ haben uns überrascht und begeistert! Ich wünsche Ihnen und uns allen nun einen anregenden und interessanten Unternehmerinnen- und Gründerinnentag!
Es gilt das gesprochene Wort.