Laudatio Martina Huster zur „Unternehmerin des Landes Brandenburg 2020 (2. Platz)“

Laudatio Martina Huster | araneaNET GmbH

Ihre persönliche Einstellung zu Herausforderungen im Leben bringt die Gewinnerin des zweiten Preises im Wettbewerb zur Unternehmerin des Landes Brandenburg 2020 gern mit einem Zitat von Herbert Achterbusch zum Ausdruck: „Du hast keine Chance. Aber nutze sie.“

Gegründet hat sie ihr Unternehmen in der Zeit des Einbruchs am Neuen Markt, im Jahr 2004, als –wie sie sagt- keine Bank bereit war, eine Finanzierung für ein junges IT-Start-Up einzugehen.

Vom Apple-Gründer Steve Jobs stammt der Ausspruch: „Es gibt nur einen Weg, Großartiges zu leisten. Zu tun, was man liebt.“ Und sie liebt die Informationstechnologie. Schon als Kind war sie angetan vom Erfindergeist von Manfred von Ardenne. Die Initialzündung für ihre spätere Berufslaufbahn war das Buch „Jugend und Technik“, Chemie und Physik waren ihre Leidenschaften in ihrer Jugend.

Mit großem Glück ergatterte Sie noch zu DDR-Zeiten einen Studienplatz in der Männerdomäne Kfz-Technik, ihre Delegierung aber wurde wegen fehlender Parteizugehörigkeit zurückgezogen. Dennoch kam es zum Studium der technischen Physik, sie wurde Laboringenieurin für Maschinen und Elektrotechnik und kam in Kontakt mit der IT.

Ihr erstes Programm schrieb sie im Rahmen der Ingenieursarbeit. Am Institut von Manfred von Ardenne lernte sie freies Forschen und Arbeiten. Nach dem politischen Umbruch in den Jahren 1989 und 1990 folgten wie bei vielen Frauen Ihrer Generation Brüche in der Berufskariere, die Familiengründung, Jobsuche. Und die erste Tätigkeit bei einem privaten IT-Dienstleister. Schließlich die Gründung der araneaNET GmbH gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Gerald Block.

Schon früh erkannte sie die Möglichkeiten der Informationstechnologie für Prozessoptimierungen in Unternehmen, um neue Wertschöpfungsketten zu generieren und neue Märkte zu erschließen. Und zwar zu einer Zeit, als viele mittelständische Unternehmen die Informationstechnologie noch als notwendiges Übel betrachteten. Als Quereinsteigerin fand sie, trotz der anfänglich großen Schwierigkeiten bei der Unternehmensfinanzierung und der Belastung als zweifache Mutter, bald Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die ebenso innovativ dachten, wie sie. Die ersten Server stammten aus Restbeständen, die nach dem Elbe-Hochwasser 2002 in Dresden aussortiert wurden. Mit Unterstützung ihrer Schwester konnte sie günstige Arbeitsräume anmieten.

Bei Ausschreibungen war ihr Unternehmen anfangs chancenlos, hatte weder Referenzen, noch entsprechende Bilanzergebnisse und Expertise vorzuweisen. Der Vertrieb wurde von ihr mit viel persönlichem Engagement aufgebaut.

Trotz aller Startschwierigkeiten gründete sie bereits 2006 eine Filiale in Sachsen, 2008 ein weiteres Unternehmen in Potsdam. Sie setzte sich das Ziel, ihren Kunden die Innovationen der IT und den Nutzen ihrer Produkte leicht verständlich zu machen und maßgeschneiderte Softwarelösungen für eine optimale IT-Sicherheit, für Betriebssysteme und apps und für das IT-Management anzubieten. Mit Scimendo hat die araneaNET GmbH ein zeitgemäßes Dienstleistungsprodukt für IT-Service und IT-Management für den Mittelstand entwickelt. Eine realisierbare Alternative zu den kommerziellen Lösungsanbietern für Konzerne. Die von araneaNet entwickelte Software für E-Petitionen im Deutschen Bundestag wurde 2008 mit dem POLITIK AWARD in der Kategorie INNOVATION ausgezeichnet. Zu ihren Kunden zählen die kassenärztlichen Vereinigungen von Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch Bildungseinrichtungen wie Schulen.

Wissenschaftlerin ist sie dabei ihr ganzes bisheriges Berufsleben lang geblieben. 2010 initiierte araneaNET ein Forschungsprojekt in Kooperation mit der HWR in Berlin zum Entwurf eines Vorgehensmodells für IT-Services Management. 2014 erhielt sie den Zuschlag für ein Kooperationsprojekt mit der FH Potsdam und wurde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit dem Gütesiegel „Innovation durch Forschung“ ausgezeichnet. Auch bei der Fachkräftegewinnung setzt sie auf eine enge Kooperation mit Hochschulen und Unis der Region, etwa durch Einbindung Studierender in das Projektgeschäft.

Die Liste der unternehmerischen und wissenschaftlichen Erfolge ließe sich fortsetzen. Dabei wird die Nachhaltigkeit bei der araneaNet GmbH großgeschrieben. Sei es bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der Umrüstung der Fahrzeugflotte auf Erdgas oder der Mobilität der Beschäftigten, die je nach Bedarf eine Umwelt- bzw. Bahncard erhalten. Martina Huster ist eine Powerfrau, die Visionen hat und diese Wirklichkeit werden lässt. Den zweiten Preis im Wettbewerb zur Unternehmerin des Landes Brandenburg hat sie sich redlich verdient. Herzlichen Glückwunsch, liebe Frau Huster!

Laudator:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie

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